Zink – der Tausendsassa im Gehirn

Zink ist nicht das Erste, woran man denkt, wenn es um Ruhe geht. Mit Stimmung oder Stress bringt man es schon gar nicht zusammen, man kennt es eher als das Mineral fürs Immunsystem, Haut oder Haare.

Dabei sitzt Zink an einer ziemlich entscheidenden Stelle. Nämlich genau dort, wo unser Nervensystem darüber bestimmt, wie stark ein Reiz bei uns ankommen darf. Dort wirkt es nicht wie eine Bremse und nicht wie ein Gaspedal, sondern eher wie ein Dimmer, der die Stärke reguliert, statt nur an- und auszuschalten.





Reizverarbeitung ist keine Ein/Aus-Frage

 

Unser Nervensystem funktioniert nämlich nicht wie ein Lichtschalter, der nur an oder aus kennt. Es arbeitet in feinen Abstufungen.

Zwischen einem Reiz und dem Moment, in dem wir darauf reagieren, läuft eine ganze Menge ab. Signale werden von einer Nervenzelle zur nächsten weitergereicht, Botenstoffe werden ausgeschüttet, und die Nervenzellen lassen sich dabei unterschiedlich leicht erregen. Diese Botenstoffe nennt man Neurotransmitter.

Zink ist an all dem direkt beteiligt, vor allem an jenen Stellen, an denen Erregung überhaupt erst entsteht, den glutamatergen Synapsen. Das Max-Planck-Institut beschreibt Zink deshalb als Modulator der neuronalen Signalstärke. Es steuert also mit, wie kräftig ein Signal weitergegeben wird, ohne selbst der Botenstoff zu sein.





Zink im Gehirn

 

Ein überraschend großer Teil des Zinks in unserem Körper ist im Gehirn besonders dicht vorhanden, und das ist kein Zufall.

Dort beeinflusst Zink unter anderem die NMDA-Rezeptoren. Das sind Schaltstellen, die eine wichtige Rolle dabei spielen, wie Nervenzellen erregt werden und wie anpassungsfähig sie bleiben. Fachleute sprechen hier von neuronaler Plastizität und meinen damit die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und dazuzulernen. Auch an der Signalweitergabe zwischen den Nervenzellen ist Zink beteiligt.

Fehlt es an Zink, kann diese ganze feine Reizverarbeitung leichter aus dem Gleichgewicht geraten.





Zink & Stimmung – was die Forschung betrachtet

 

In den letzten Jahren hat sich die Forschung Zink häufiger auch im Zusammenhang mit Stress und unserer Stimmung angeschaut, also damit, wie es uns innerlich geht und nicht nur, wie fit der Körper ist.

Eine große Auswertung mehrerer Studien, eine Metaanalyse von Swardfager und Kollegen aus dem Jahr 2013, hat untersucht, wie der Zinkstatus und die Stimmungslage zusammenhängen. Beschrieben wurden dabei vor allem Zusammenhänge bei Menschen, die ohnehin schlecht mit Zink versorgt waren.

Wichtig ist mir, das einzuordnen. Es handelt sich um beobachtete Zusammenhänge unter Studienbedingungen und um keinen Beweis dafür, dass Zink irgendetwas heilt. Das gehört einfach dazugesagt.





Stress, Entzündung und Zink

 

Stress und stille Entzündungen im Körper haben eine unangenehme Eigenschaft. Sie zehren an unseren Zinkreserven.

Dabei wird Zink genau dann besonders gebraucht, denn es ist an vielen dieser Vorgänge beteiligt. Es hilft bei der Steuerung des Immunsystems, schützt die Zellen und trägt dazu bei, Entzündungen in Schach zu halten. Zink trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress sowie zur normalen Funktion des Immunsystems bei. Weil Entzündung, Stress und Stimmung im Körper eng zusammenhängen, schaut man heute nicht mehr nur auf einen einzelnen Punkt, sondern betrachtet Zink im größeren Zusammenhang.





Zink – weder Bremse noch Gaspedal

 

Zink dämpft also nicht, es wirkt nicht wie ein Beruhigungsmittel, und es putscht auch nicht auf.

Es trägt zu einer normalen kognitiven Funktion und zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei. Seine eigentliche Stärke liegt weniger darin, etwas herunterzufahren, als darin, zu stabilisieren. Es sorgt dafür, dass die Reizverarbeitung im richtigen Maß abläuft und nicht aus dem Ruder gerät.

Es bleibt eben ein Dimmer, nicht aus, nicht voll aufgedreht, sondern richtig eingestellt.





Versorgung ist nicht selbstverständlich

 

Und jetzt kommt das eigentlich Tückische daran. Ausgerechnet das, was unter Belastung wichtiger wird, wird unter Belastung auch knapper.

Zink gehört zu den Spurenelementen, deren Bedarf bei Stress steigt. Gleichzeitig verlieren wir es über den Schweiß, der Körper verteilt es bei Entzündungen um, und manche Ernährungsweisen liefern von vornherein wenig davon. Studien deuten darauf hin, dass eine nicht ganz optimale Zinkversorgung bei uns im Westen verbreiteter ist, als die meisten denken.





Einordnung

 

Zink ist kein Arzneimittel, und es ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Dieser Beitrag soll einordnen und beschreibt beobachtete Zusammenhänge. Er gibt kein Heil- oder Wirkversprechen.





Michael





Quellen & wissenschaftliche Einordnung

 

Die folgenden Quellen dienen der fachlichen Einordnung und Transparenz.
Sie stellen keine Empfehlung und keinen Ersatz für medizinische Beratung dar.

Swardfager, W. et al. (2013). Meta-analysis of zinc in depression. Biological Psychiatry.
Nowak, G. et al. (2005). Zinc supplementation and antidepressant therapy. Pol J Pharmacol.
Max-Planck-Institut: Zink am Dimmer des Nervensystems.
Open Public Health Journal (2021). Zinc and mental health.
Nutrition Reviews (2024). Zinc, inflammation and mood.
PubMed (2023). Zinc status and depressive symptoms.