Safran – rotes Gold für die Seele?

Es gibt Gewürze, die wirft man einfach in den Topf. Und es gibt Safran. Diese Pflanze trägt seit Jahrtausenden einen Ruf, der weit über die Küche hinausgeht. Vom Mittelmeer über Persien bis nach Indien, als Farbe, als Duft, als fester Teil alter Rituale und Heilüberlieferungen.

Dass er als Farbe galt, klingt heute fast nebensächlich. Damals war das eine ganz andere Hausnummer. Edle Farben waren teuer und nicht für jeden zu haben, und Safran lieferte ein Rot, das man sich erst mal leisten können musste.

Das Besondere fängt schon bei der Ernte an. Für ein einziges Kilo Safranfäden werden rund 150.000 Blüten von Hand gepflückt, und aus jeder Blüte zupft man drei feine Fäden einzeln heraus. Wenn man sich das einmal vorstellt, versteht man sofort, warum Safran das rote Gold genannt wird.





Wert ohne Lautstärke

 

Safran erzählt nebenbei etwas, das ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Dass Wert mit Aufwand zu tun hat, mit Sorgfalt und mit Zeit. Was mit echter Hingabe entsteht, hat eben seinen Preis. Ein Gewürz für alle war Safran also nie. 





Safran und die Seele

 

Schon in der alten, nennen wir sie Erfahrungsheilkunde, galt Safran als Pflanze, die etwas mit der Stimmung zu tun hat. Was über Jahrhunderte einfach gelebte Erfahrung war, schaut sich heute die Forschung noch einmal neu an. Inzwischen greifen sogar öffentlich-rechtliche und medizinische Medien das Thema auf.





Was in Studien untersucht wurde

 

Safran ist inzwischen in vielen klinischen Studien untersucht worden. Dabei ging es ausdrücklich um seine Effekte bei Depression, Angst und gedrückter Stimmung. Mehrere Metaanalysen, also Auswertungen vieler einzelner Studien, haben ihn im Zusammenhang mit leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen betrachtet (unter anderem Hausenblas et al., 2015, und Lopresti & Drummond, 2017). In diesen Untersuchungen wurde Safran als angstlösend und stimmungsaufhellend beschrieben, und in einer frühen randomisierten Studie hat man ihn sogar mit einem herkömmlichen Antidepressivum verglichen (Akhondzadeh et al., 2005).

Wichtig ist mir dabei eins. All das berichten die Studien. Es sind Beobachtungen, keine Garantien, und ganz sicher kein Hinweis darauf, dass Safran Medikamente ersetzt. Wer unter Depression oder Angst leidet, gehört in ärztliche Hand. Das klingt für manche vielleicht forsch, aber ich sage es aus Erfahrung, und es ist mir wichtig. Ich warne ausdrücklich davor, sich allein über das Internet zu diagnostizieren, sich selbst behandeln zu wollen und sich dabei falsche Hoffnungen zu machen.





Warum das heute relevant ist

 

Vielleicht trifft Safran gerade deshalb einen Nerv. Viele Menschen haben genug von immer mehr Tempo und immer mehr Leistung. Sie sehnen sich nach Ruhe, nach etwas, das den inneren Lärm ein bisschen leiser dreht.

Da passt Safran rein, noch dazu auf edle Weise. Trends kommen und gehen, ihn aber begleitet eine lange Geschichte, die gerade neu verstanden wird. Oder eher wieder verstanden. Vermutlich stimmt beides.





Eine Pflanze lehrt uns Haltung

 

Am Ende steht Safran für etwas, das man nur schwer kaufen kann. Für Maß und für Geduld. Dafür, dass eine kleine Menge, wenn es die richtige ist, mehr bewirkt als das große Viel. Manchmal reicht ein einziger Faden. Vorausgesetzt, es ist der richtige.





Michael





Quellen & wissenschaftliche Einordnung

 

Die folgenden Quellen dienen der fachlichen Einordnung und Transparenz.
Sie stellen keine Empfehlung, kein Heilversprechen und keinen Ersatz für ärztliche Beratung dar.

Systematische Reviews & Metaanalysen

Hausenblas, H. A. et al. (2015). Saffron (Crocus sativus L.) and major depressive disorder: A meta-analysis of randomized clinical trials. Journal of Integrative Medicine.
Lopresti, A. L., Drummond, P. D. (2017). Saffron for depression: A systematic review and meta-analysis. Human Psychopharmacology.

Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs)

Akhondzadeh, S. et al. (2005). Comparison of Crocus sativus L. and imipramine in mild to moderate depression. Phytotherapy Research.
Kell, G. et al. (2017). Randomized, double-blind, placebo-controlled study of saffron for mood. Journal of Complementary and Integrative Medicine.

Institutionelle & redaktionelle Quellen

Universitätsklinikum Freiburg – Safran Update
Medical Tribune – Safran im wissenschaftlichen Kontext
SWR, „Doc Fischer": Safran als Stimmungsaufheller – was bringt das? (ARD Mediathek)